Dienstag, 22. Mai 2012

Merlot Staves von Kornell

Merlot – ein dunkelrotes Tuch für mich. Ihr kennt vielleicht den Spruch: Anything but . . . Heißt bei mir in der Weißweinversion Chardonnay. Selbigen bekommt man häufig im Barrique gereift und viiiiel zu jung. Schmeckt nach Vanillepopcorn. 

Meine Rotweinversion hieß: Anything but Merlot. Auch hier gehe ich von der viel zu jung getrunkenen Masse aus, welche sich durch holzige und vegetable Noten auszeichnet. Die haben wieder zu viel Weinlaub mitvergoren, denke ich dann.

Doch habe ich in einer meiner Lieblingsenotheken, im Schondorf in Bruneck (Christopher berichtete), einen Merlot gefunden, der nicht zu einer scheinbaren Reife gezwungen wurde, sondern in Ruhe fertig werden durfte. Der Merlot Staves der Kellerei Kornell in Siebeneich.

Er sieht aus wie Merlot, nämlich dunkel Rubinrot, klar, doch kaum transparent. Zeitung lesen wäre durch ihn hindurch nicht möglich.

Doch meine Nase war angenehm überrascht. Normalerweise stellt sich auch bei Merlot das Waldgefühl (wie bei dem Spanier beschrieben) ein. Doch lag hier der Schwerpunkt auf der Frucht – Zwetschge und Himbeere, Kirsche und Blaubeere fand ich –, welche von einer wunderbaren Würze getragen wird.
Ein bisserl tierisch war er auch. Doch war es nicht das übliche Reh, sondern mehr echtes Leder. 

Im Mund präsentierte der Merlot sich von einer vollmundig-runden Seite mit knackigen Taninen und Mineralität, doch fehlten die nervigen Stängel und Blätter ganz.

Insgesamt musste ich nun also nach Genuss dieses feinen Roten mein Vorurteil gegenüber Merlotweinen überdenken.
Vielleicht versuche ich es doch auch einmal wieder mit Chardonnay.

Kommentare:

Wilde Henne hat gesagt…

Deine Weinbeschreibungen machen richtig Lust, den jeweiligen Wein zu kaufen und zu probieren. Normalerweise sind Weinbeschreibungen nicht grad meine Lieblingslektüre, weil sie oft so überkandidelt geschrieben sind. Bei Dir ist das anders. :-)

Dorothea hat gesagt…

Vielen Dank für die Blumen :) Einfache Weine bedürfen meiner Meinung nach auch einfacher Beschreibungen. Und wenn ich da viele schöne Fachausdrücke hineinschreibe wirds am Ende trockener als der Wein.