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Mittwoch, 9. Juli 2014

Marqués de Riscal Rioja Reserva 2008

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Meine heutige Weinexkursion führt mich erneut ins spanisch-ausländische Ausland. Und wieder Rioja. Sogar wieder Rioja Alavésa.
Hier findet sich weites, weinbestocktes Flachland unter erhabenen Bergen der Pyrenäen (an dieser Stelle einen Gruß an unseren Korrektor).
Kleine Dörfchen aus alter, alter Zeit verteilen sich hier zwanglos in der Gegend. Umgeben von nicht viel anderem als Weinreben. Es wächst und reift bevorzugt der berühmte Tempranillo und, fast speziell nur für meinen Wein, etwas Graciano und Mazuelo.
Dies ergibt also gekeltert die ganz klassische Cuvée für den international gern getrunkenen Rioja.
Heiße, sehr trockene Sommer, im Juli und August regnet es NIE, und gemäßigte Winter mit genügend Niederschlag, auch mal als Schnee, prägen diesen Südländer, der auf  Lehm-Kalk-Boden wächst.
Doch genug der Theorie.

Im Glas ist er Dunkelgranatrot mit bräunlichen Reflexen (ein Zeichen, dass es ein gereifter Wein ist). Er ist klar und transparent, heißt, man hat den vollen Durchblick.

Der Duft ist zunächst fruchtig, dunkle Kirschen, Blaubeermarmelade, schwarze Johannisbeere, Cassis.
Dicht gefolgt von herbem Kräuterduft, Lorbeer, Rosmarin, Salbei.
Unterstützt von einer nicht zu präsenten Holznote, geröstete Nüsse.
Auch ist der Rioja-typische animalische Duft wahrnehmbar, doch ist er nicht unsauber oder störend.
Es ist also ein vielschichtiger Duft, der Lust auf den ersten Schluck macht.

Im Mund fühlt er sich mittelschwer an, ist trocken, warm (alkoholreich) im Hals, sehr weich (reife Tannine), mineralisch- saftig und seeehr anhaltend.
Ein wirklich abgerundetes Geschmackserlebnis.

Insgesamt ist der Wein harmonisch, da der Geschmack hält, was Augen und Nase versprechen. Er macht also einfach Spaß und würde sicher mittelkräftigen Käse, dunkles- und Grillfleisch, gut gewürzte Vorspeisen ergänzen.


Rioja DOCa
Riserva (2 Jahre in Eiche, 1 Jahr in der Flasche gelagert)
2008
13,5 vol%
Tempranillo 90%, Graciano 7%, Mazuelo 3%
Trinktemperatur bitte beachten: 16–18 °C


Mittwoch, 2. Juli 2014

Stachelburg Lagrein Kretzer (Rosé)

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Ich muss sagen, die Weine des Schlossweingutes Stachelburg in Partschins im Vinschgau gefallen mir.
Kürzlich hatte ich ja den Merlot beschrieben, welcher einen wirklich guten Eindruck hinterließ.
Und heute gab es den Lagrein Kretzer 2013 der Stachelburg.

Das Sympathische an diesem Betrieb ist für mich natürlich die Nachhaltigkeit, um die sie sehr bemüht sind. Ebenfalls haben sie nicht nur die Südtirol-Klassiker im Angebot, sondern verlassen auch mal den herkömmlichen Weg und versuchen sich an einer Spätlese, die für diese Gegend eben nicht ganz typisch ist.

Ein großes Kompliment hierfür.

Doch zurück zum Klassischen:

Ein toller dunkelroséfarbener Tropfen blinkt und blitzt mich aus meinem Glas an. Vorfreude stellt sich sofort ein.

Er riecht nach – hmmmm – Himbeeren, Erdbeeren, Blaubeeren, aber auch nach dem typischen Veilchen des Lagreins. Auch prickelt er leicht in der Nase, wohl die Mineralität, die sich so bemerkbar macht.

Schon der erste Schluck ist genusstauglich. Der leichte, aber nicht zu unterschätzende Tropfen prickelt auch im Mund, wegen der frischen Säure. Seine Mineralität gibt ihm die Fülle. Er ist trocken, aber nicht hart, sondern rund und weich.

Zu kalten Schmankerln wie Rohschinken-Melone an Sommertagen kann ich ihn sehr empfehlen.

Lagrein Kretzer (Rosé)
Schlossweingut Stachelburg, Partschins
2013
13%
DOC


Freitag, 23. Mai 2014

La Fornarina – Prosecco Valdobbiadene

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Und wieder mal Geburtstag. Die Oma ist dran. Und zum Anstoßen habe ich einen Prosecco ausgesucht.
La Fornarina Prosecco Superiore Valdobbiadene aus Vazzola.
Da gibt es gar nicht viel zu berichten. Es ist eben Prosecco. Super einfach gestrickt, keine Komplikationen.
Aber, Achtung! In unserer Extra-Dry-Version ist er auch nichts für Brausetrinker.
Bisher war ich immer der Meinung, wenn Prosecco drauf steht, ist Prosecco drin. Doch ist die Hauptrebe in Valdobbiadene die Glera-Rebe. Man lernt eben nie aus.
Ich lass ihn mir jetzt trotzdem schmecken, ob Prosecco oder Glera. Schmecken tut’s doch gleich.

Dienstag, 13. Mai 2014

Spargel, Sauvignon – und gut!

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Heute gibt es klassisch – Spargel aus Venezien, Bozner Sauce und Neue Kartoffeln. Dazu, das einzig Wahre, einen Sauvignon.
Es ist einer unserer Lieblingssauvignons aus der Nachbarschaft.

Der Gumphof liegt in Völs am Schlern und man schmeckt in jedem seiner Weine ein klein wenig die Autobahn, die gegenüber liegt.

Der Sauvignon Praesulis 2011 ist hellgoldfarben und kristallklar im Glas, schön konsistent läuft er gemächlich die Glaswand hinab.

Im Duft, typisch Sauvignon, ist er sehr aromatisch, extrem blumig, frische Früchte, knackiger Apfel, grüne Birne, junge Marille, Flieder, Hollerblüte, eben alles, was dieser Tage grünt und blüht. Und eben diese große Mineralität, die sich als Autobahnduft beschreiben lässt. Der typische Buxbaum (Katzenpipi) ist angenehm im Hintergrund. Eine echte Duftbombe!

Im Mund ist der Praesulis angenehm weich, voll und ganz trocken. Er ist nicht so übermäßig sauer, wie Sauvignon oft sein kann. Nur sein Alkoholgehalt von 14% ist übertrieben und wirklich ein Wehmutstropfen, der sich auf die Genussmenge stark auswirkt.
Doch so hat man länger etwas Gutes von den 13 Euronen, die man dafür bezahlt.
Also – mehr Kartoffeln zum Spargel essen, dann passt dieses feine Tröpfchen ausgezeichnet dazu.


Freitag, 2. Mai 2014

Einfach Erna! Kaffee mal anders.

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Ich bitte um Entschuldigung, das habe ich geklaut. In der letzten Ausgabe der Barista-Zeitschrift war ein Artikel über die Barista-Meisterin Erna.
Anbei war ein sehr interessantes Rezept, das diese junge Frau selbst entwickelt hat.
Das habe ich heute in vereinfachter Form ausprobiert:

Mokkakaffee zu Eiswürfel gefrieren,
Filterkaffee erkalten lassen, über die Kaffeewürfel in ein langstieliges Weinglas gießen und alles mit rotem Bitter (darf auch Orange oder Gelb sein) aufgießen.

Das ist soooo einfach, aber sehr effizient. Ein super Allrounder, vor allem für heiße Sommertage.
Er schmeckt süsslich-fruchtig-herb; gut als Aperitif vorstellbar, aber, da Kaffee drin ist, natürlich auch ein guter Digestif.
Mich hat er erst überrascht, dann überzeugt. Der nächste warme Tag kommt gewiss ...


In der Kürze liegt die Würze

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Mein Gefährte brachte kürzlich von der Arbeit zwei Schnapsfläschchen mit. „Aber Schatz, wir trinken doch nicht gern Hochprozentiges. Ja, schon, aber mein Chef hat das Getränkemagazin aufgeräumt und hat mir Einzelexemplare, von denen er selber nicht mehr wusste, wo er die her hat, geschenkt. Und einem geschenkten Gaul ... ja, ja.“
Gut, haben wir halt schon mal ein bissl was für die Oma, die braucht doch aus gesundheitlichen Gründen zwischendurch mal einen Kurzen. Gut.
Doch heute dachte ich mir, muss ich doch mal vorverkosten, was wir meiner Schwiegermama anbieten.

Kadulja der Firma Aura kommt aus Kroatien (was die Nachforschungen nicht eben erleichtert). Es handelt sich hierbei um einen landestypischen Aperitif: einen Brandy aus Salbei.

Und ich muss sagen, alle Achtung! Er schmeckt leider lecker.

Bernsteinfarben – kristallklar und viskös (leicht zähflüssig) liegt er im Glas und lacht mich an.

Ein angenehmer ätherischer Duft verströmt. Ich kann schon die erste Nase nehmen, ohne in das Glas zu riechen. Zuallererst kommt mir natürlich der Salbei entgegen; Dörrobst, Pflaume, Marille, Kirsche; Honignote, Akazie vielleicht, und harzige Töne, Tannenzapfen.

Der Alkohol („leichte“ 33%) bitzelt nur leicht in der Nase, aber betäubt sie nicht.

Auch im Mund ist er angenehmst weich, rund, sehr warm, nicht zu trocken. Ein leichter Zucker, der den Geschmack schön trägt, aber nicht pappig ist.

Ausgewogen, harmonisch und intensiv ist mein Gesamteindruck dieses klasse Brandys. Für mich persönlich nicht als Aperitiv verwendbar (wie soll man das danach noch steigern?) Doch als Super-Alkoholiker kann ich ihn bedenkenlos der Oma geben. Falls noch etwas davon da ist wenn sie kommt.

P.S. Dank an den Chef.




Mittwoch, 30. April 2014

S. Christina - Cabernet Sauvignon vom Gardasee – und vom Feinsten

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Wenn ich an Gardasee denke, kann ich das Gefühl, welches mich dann überkommt, mit einem Wort beschreiben: Urlaub.
Wasser, Sonne, Eis lecken, abends draußen sitzen und sich gutes Essen und guten Wein schmecken lassen. Ob das Wasser, an dem man spazieren geht, süß oder salzig ist, tut bei dem Urlaubsgefühl nichts zur Sache.

Als ich heute den S. Christina DOC Cabernet Sauvignon 2010 der Kellerei Zenato probiere, fühle ich mich jedoch eindeutig am Meer. Zwar wächst der Cabernet am Südufer des Gardasees und wird auch dort gekeltert, doch im Geschmack ...

Ja, im Geschmack ist er zunächst weich, voll und sehr warm (mit 14,5% ein klarer Fall für einen Abendwein), auch sehr anhaltend. Sein Tannin ist weich, rund und nicht kratzig. Doch das wunderbarste an seinem Geschmack ist für mich seine unerwartete Saftigkeit, die Mineralität. Er schmeckt richtiggehend salzig und lässt mir im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Auch im Duft ist er klar und vielschichtig, riecht nach Rote- Beeren-Marmelade, nach vielen Kräutern, wie Salbei und Lorbeer, und wird umrahmt von einer alles unterstützenden Holznote.

Im Glas liegt er tief Granatrot mit lila Reflexen vor mir – ein schönes Farbenspiel ist das. Er ist zwar kristallklar, doch nicht transparent, Zeitung hindurchlesen ist also nicht möglich.

Alles in allem ist dieser schwere Cabernet sehr harmonisch und ausgeglichen. Er würde mir jeden Terrassenabend am Gardasee/am Meer versüßen und auch sein Preis von 20 Euro ließe keinen bitteren Nachgeschmack zurück.

Dienstag, 15. April 2014

Merlot – Fluch und Segen

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„Anything but Chardonnay“,  so war noch vor gar nicht allzu langer Zeit meine Weißweindevise. Für Rotwein galt „Anything but Merlot“. Amerikanische Fastfoodkettenrestaurants haben neben kübelweise Zuckerwasser auch eben selbige „Weine“ im Ausschank. 

Allein diese Tatsache wirft einen dunklen Schatten über sämtliche aus dieser Traube gekelterten Weine.
Doch möchte ich hier ein Exemplar vorstellen, das aus diesem Schatten hervortritt.
Ich trinke heute also einen Südtiroler Merlot „Wolfsthurn“  2010 des Schlossweingutes Stachelburg in Partschins (Weinregion Vinschgau).
Es handelt sich hierbei um einen BIOLAND-zertifizierten Betrieb, der auf etwa 5 ha Fläche nachhaltige Weine anbaut (ich weiß, nicht die Weine werden angebaut, sondern Reben).

Im Glas liegt nun also ein eher trüber, weil wenig filtrierter, dunkelroter Wein mit lila Reflexen, der wunderschöne Kirchenfenster an der Glaswand hinterlässt.

In der Nase lässt er Gutes vermuten. Er duftet vielschichtig zunächst nach all den tollen roten Beeren, die für einen Merlot typisch sind. Doch gleich dahinter ist ein großer Wacholderbusch, einige Schwammerln wachsen darunter, weit entfernt scheint jemand ein Pfeichen zu paffen, man riecht den Tabak. Ein Holzstapel liegt zum Trocknen in der Sonne ...

Nun der erste Schluck. Es ist nicht der dichteste Merlot, den ich je hatte, doch macht es seine runde Weichheit wieder wett. 
Er hat überhaupt kein bisschen störendes oder aufrauendes Tannin, der Mund fühlt sich zwar trocken, doch nicht rau an. 
In gewohnter Weise ist auch er restlos trocken und hinterlässt mit 13,5% einen schönen, warmen Hals mit langem, fruchtigem Abgang.

Diesen mittelschweren Wein würde ich zwischen Blauburgunder und Cabernet Sauvignon platzieren.
Ein kleines Minus bekommt er von mir, da der Geschmack nicht die Intensität und Komplexität der Nase zu steigern vermag.
Doch insgesamt macht dieser knapp über 10 Euro teuren Wein einfach Spaß und hilft ein kleines bisschen, das Bild des Merlots zu verbessern.


Freitag, 4. Oktober 2013

Chianti Classico 2007 San Felice

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Meine Familie ist durstig. 


Also kam ich heute gleich wieder in den Genuss einer Kurzreise, die mich diesmal nicht über die Landesgrenzen hinaus, sondern lediglich südwärts in die Toskana führte. 

Ich sah: wunderschöne Landschaftsbilder. 

Ich sah aber auch den meiner Ansicht nach unpassenden Internetauftritt der Agricola San Felice. 
Ein Beerdigungsinstitut? Nein, Wein hat doch mit Lebensfreude und Farbe, Duft, Geschmack zu tun. Und die sind ganz in Schwarz. Ausgerechnet. Das viele Kleingedruckte, weiß auf schwarz, machte es mir schwierig, mich zurechtzufinden.

Außerdem habe ich leider keine Beschreibung meines Weines gefunden, da der älteste beschilderte Jahrgang 2009 ist. Schade.
Nun weiß ich nur, dass Sangiovese die Devise ist, denn mein Wein besteht zu 100 Prozent daraus.
Nichtsdestotrotz wollte der Durst meiner Lieben gestillt werden.

Im Glas auch hier, wie gestern im Rioja, ein dunkles Granatrot, jedoch nicht so intensiv und eine Spur transparenter (Zeitung lesen geht jedoch noch immer nicht).

In der Nase ist es ein typischer Chianti. Ich vermute, dass diese Typizität das vielberedete Terroir sein wird, denn ich kann nicht in Worte fassen, wie ich dies erschnüffle. Außerdem dunkle Beeren und sehr betonte Reifenoten wie Rauch, Schoki, Tabak. Fein duftet es und lässt die Vorfreude auf den ersten Schluck wachsen.

Trocken (die Oma muss mehrmals schlucken und sich räuspern) und warm (12,5% vol.) ist er auch heute. Doch ist er nur ein Mittelschwergewicht, nicht so vollmundig wie der gestrige Rioja. Der Mund wird trocken und rau, doch ist der Chianti ausgeglichen und harmonisch.
Was ihm besonders im Vergleich zu gestern total fehlt, ist ein schöner Abgang. Schlucke ich den Chianti, ist er auch schon Vergangenheit, und es bleibt nur die Trockenheit der Maremma im Mund zurück. 


Donnerstag, 3. Oktober 2013

Eine Flasche
Rioja Reserva 2005 der Bodega Viña Herminia
auf dem Tisch

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Ich war heute Morgen mal eben schnell in Spanien. Im Rioja-Gebiet, um genau zu sein. Erst las ich in meinem Weinlexikon darüber und anschließend besah ich Landschaftsbilder und Landkarten der Gegend.
Und nun ist mir, als wäre ich dort gewesen. Mir klingt’s sogar noch spanisch im Ohr. Schön ist das.

Als Mitbringsel habe ich eine Flasche Rioja Reserva 2005 der Bodega Viña Herminia auf dem Tisch stehen.
Aus dem Rioja Baja stammend, ist mein Roter ein echter Flachländer, auf Tonboden gewachsen und bei Dürre gereift.

Er ist eine für die Region klassische Cuvée aus 85% Tempranillo, DIE Rioja-Rebe schlechthin, 10% Garnacha (für Volumen und Tiefe zuständig) und 5% Graciano (bringt Würze).
Der Graciano spielt nur eine kleine Nebenrolle bei den Weinbauern, da er sich ziemlich zickig gibt: oft ist er krank oder überhaupt nur wenig da.
Doch zu meinem Glück ist er im Glas present.

Wie erwartet, plätschert er tief rubinrot ins Glas und zeigt dort bräunliche Reflexe, Altersflecken eben. Er ist klar, aber wegen seiner Intensität nicht transparent. (Muss ich eben später Zeitung lesen.)

Riechen tut er erstaunlich wenig spanisch. Wo ist denn der Pferdestall, mit dem Rioja so berühmt-berüchtigt wurde?!?!
Dieser riecht nach dunklen Waldbeeren, Wacholder und nach dem Holz, in dem er gereift ist. Auch Tabak und lecker Schoki lässt sich finden.

Und endlich der erste Schluck: huää!
Doch schon beim zweiten und erst recht beim dritten Schluck bin ich eingetrunken.
Trocken, warm und leicht kratzig vom Tannin raut er den Mund auf und wärmt im Hals. Mit einem kleinen Schluck fühlt sich der Mund gut gefüllt an. Und es bleibt wirklich lange ein sehr schöner Ausklang erhalten.

Den Wein darf man keinesfalls wärmer als 18 Grad werden lassen.
Und man kann ihn sehr gut glasweise genießen, da er mit 13,5% Vol. wirklich ein gestandener Bursche ist.
Ein feiner Wein zum Sonntagsbraten und für späte Stunden ...


Samstag, 4. August 2012

Apfelsekt aus Meran

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Obstwein, oder auch Fruchtwein, ist meines Erachtens ein Trend in der Getränkebranche. Und es ist lohnenswert, ihn weiter auszubauen.
Wir haben Obstwein in den Genen. Länger schon als Traubenwein. Den brachten nämlich die alten Römer mit nach Norden, wo schon laaaaange zuvor die alten Germanen wussten, dass vergorene Birnen und Äpfel „dumm in der Birne“ machen. Und auch die antiken Griechen, welche für Traubenwein berühmt sind, hatten bereits ein Wort für Apfelwein.

Heutzutage trauen sich ja nur die Franzosen, ihre Äpfel in großem Stil zu vergären und das Ganze als trinkbares Gesöff auf den Markt zu bringen. Calvados und Cidre sind weltweit eine bekannte „Marke“.
Bis dato ist Fruchtwein zu keiner Zeit ein „In-Getränk“ gewesen, sondern wurde stets aus der Not heraus „gebraut“ und konsumiert.

Nachdem uns der Champagner-Bratbirnen-„Champagner“ einen sehr bleibenden Eindruck im positiven Sinne hinterlassen hat, habe ich mich weiter erkundigt und erfahren, dass es mittlerweile einen Südtiroler Weinbauern bei Meran gibt, der auf diesen Zug aufgesprungen ist und nun seinen eigenen „Wein“ herstellt.

S’POM, Apfelcidre trocken, abgefüllt durch Pur Südtirol, 0,75 l, 6,5% vol.

Auge: Schon das Etikett spricht mich an. Modern und einfach gehalten erinnert es eher an Prosecco als an Champagner.
Intensives Strohgelb mit feiner, zahlreicher, anhaltender Perlage. Alles, wie man es mag.

Nase: Hmmmmmm, Apfel. Und Apfel. Und nicht zu überriechen: Apfel. 
Von der Apfelblüte bis zu seiner vollreifen Frucht finde ich alles an Düften.

Mund: Und wieder hmmmmm. Trocken und spritzig, fruchtig, ausgewogen und schön leicht kommt er dahergetänzelt und blubbert sich herrlich erfrischend durch meinen Hals bis in den Magen.

Als Aperitif eine absolute Alternative, die ich auch Gastronomen empfehle, perfekt als Eröffnung einer Menü-Wein-Anpassung.
Und natürlich ein absolutes Spaßgetränk für Partys oder für die laue Zweisamkeit auf dem sommerlichen Balkon, im Garten, als Hugo-Ersatz am Vormittag. 
Viel Spaß damit.


Mittwoch, 11. Juli 2012

Terlaner classico 2010

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Heute gab’s ein super Mittagessen. Mein Gefährte kochte uns ein Mahl aus selbstgemachten breiten Bandnudeln und Gemüsebeilage, bestehend aus Artischocken, Mangold, Tomaten ...  Dazu gebratene Garnelenschwänze. Ich denke, er wird berichten.

Dazu habe ich uns einen leichten Weißwein mitgebracht:
Der Terlaner classico der Kellerei Terlan ist eine Cuvée aus Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon blanc, welche uns hier als einer der wichtigsten Spargelweine bekannt ist. 

Der Jahrgang 2010 war so:

Auge: helles, kristallklares Strohgelb.

Nase: Sauvignon klar herauszu- kennen, betont fruchtig, gaaanz leicht vegetal, der Buchsbaum lässt grüßen, die Nase ist immer noch verstopft.

Mund: er schmeckt einfach hmmmm, trocken, spritzig, saftig, fruchtig, ähnlich einem stillen Prosecco, nur vielschichtiger und mehr (13% vol).

Er war eine ausgezeichnete Wahl zu unserem Essen, die Bitterkeit der Artischocke ist Spargel eh nicht unähnlich.

So hatten wir also ein ganz spontanes und kurzfristig eingetretenes Geschmacks-Highlight.

Donnerstag, 28. Juni 2012

Eisacktaler Weißwein

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Die Kinder haben Ferien. Das ist schön, aber anstrengend. Gestern war „Frei-Tag“. Also eigentlich Pizzatag. Doch die Hitze und der Stress haben uns ausgebremst.

So saßen wir also nach einem verkorksten Tag abends um 9 Uhr endlich ruhig und friedlich auf unserem luftigen Balkon.
Diese Momente sind unbezahlbar, so wie der Wein, den man in solchen Situationen trinkt.

Wir hatten einige Eisacktaler Weissweine durch die wir uns probierten. Es waren allesammt schöne, interessante, bemerkenswerte, grosse Weine.
Aber ...  Aber? Ja, aber. Für einen lauen Sommerabend zu zweit waren sie durch die Bank ungeeignet. Diese anspruchsvollen Rebensäfte verlangten uns eine Aufmerksamkeit ab, welche wir eigentlich UNS zukommen lassen wollten.

Letzten Endes sind wir bei einer dieser modernen Cuveés gelandet und haben ihn für am passendsten befunden.
Also doch wieder Schema F und für den nächsten Frei-abend den Prosecco kalt gelegt.

Sonntag, 10. Juni 2012

Kleiner Leseraufruf!

11 Kommentare:
Mein Lieblingskoch hat ein paar harte Tage auf Arbeit hinter sich. Auch privat hat er mit dem Haufen hungriger und oft nörgelnder Mäuler einiges um die Hand gehabt. Und einstweilen kein Ende in Sicht.

Also wäre es an mir, einen tollen neuen Post zu posten (ach was). Doch ich sitze auf der Leitung.
Ich hätte eine Bitte an den geneigten Leser (nicht nur im männlichen Sinne). Ich versuche, eine „Weinverkostung Südtirol“ zusammenzustellen, eine schöne mit Einleitung, Hauptteil und Schluss.

Im Hauptteil sollen 6 Südtiroler Weine verkostet und erklärt werden.
Nun versuche ich, Südtirol nicht aus meiner bescheidenen Sicht heraus zu entdecken, sondern hätte gerne einige Anregungen von euch. 
Welche Weine fändet ihr gern in einer solchen Verkostung? Lieblingskellereien? Lieblingssorten? Sonstige Themen, die ich andenken könnte? Bin für Anregungen verschiedenster Art dankbar.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Widerruf

2 Kommentare:
Entgegen meiner mutigen Behauptung im Vorfeld, der Letrari Brut würde gut mit unserem Brathuhn harmonieren, muss ich leider mitteilen, das stimmt nicht.
Er war, trotz kräftiger Würzung und Röstaromen vom Anbraten, dem Essen um mindestens ’ne Nasenlänge voraus.
Hier braucht es tatsächlich etwas so Intensives wie gebratene Scampi, Krebsfleisch, Hummer oder Pferdefleisch. Auch in Richtung asiatische Küche könnte ich mir eine Anpassung gut vorstellen.

Mittwoch, 6. Juni 2012

TrentoDOC
Talento brut von Letrari

2 Kommentare:
Ein Beispiel für eine gelungene Sektherstellung habe ich heute im Glas. Feste muss man ja feiern, wie sie fallen, und so gibt es zu meinem heutigen Geburtstag also endlich mal wieder etwas Anständiges zu schnabulieren.

Mein Schatz überraschte mich mit einer Flasche Talentosekt, also der klassisch französisch Vergorene, aus unserer Nachbarregion Trentino. Die TrentoDOCs sind innerhalb Italiens für ihre gute Qualität bekannt und eigentlich nur von Franciacortaweinen an Beliebtheit übertroffen.

Mein Letrari Brut brilliert in einem hellen Goldgelb und moussiert in allerfeinster Perlage, in großer Anzahl und anhaltend bis zum letzten Schluck.

Sein nicht zu gewaltiger Duft erinnert mich an eine sommerliche Streuobstwiese, Marillen reifen hier, ein Hollerbusch nebenan, auch ein Stock frisch erblühter weißer Rosen muss zu finden sein. Der Flieder steht schon in voller Blüte. Und natürlich brummen einige Bienen vorbei auf ihrem Weg, leckeren Honig zu bereiten.
Außerdem finde ich eine gewürzige Note im Sekt, hervorgebracht durch die 24 Monate lange Lagerung. Etwas geröstetes Weißbrot und ein Hauch Vanille runden den komplexen Duft ab.

Im Mund hält er, was die Nase verspricht: sein Restzucker trägt die Säure und leichte Bitterkeit perfekt, sodass man noch einige Zeit nach dem Schlucken Gefallen an ihm finden kann.
Er ist ein mittelgewichtiger Bursche, haut einen nicht gleich aus den Socken, doch kann man ihn auch nicht als Aperitif empfehlen. Er hat immerhin 12,5 % vol. und ist dafür einfach zu intensiv. Doch als Begleitung für unser Brathuhn dürfte er gut passen. 


Dienstag, 5. Juni 2012

Südtiroler Sekt

4 Kommentare:
Es ist ganz einfach: Weine mit dieser Bezeichnung kommen aus Südtirol (echt jetzt?) und werden alle auf dieselbe Weise produziert.
Und zwar klassisch, wie schon die alten Franzosen es taten.

Man nehme ein Fläschchen, fülle dort hinein einen eher rauen, etwas garstigen Grundwein. Chardonnay und Blauburgunder vertragen sich hier sehr gut.
Dazu kommt Hefe. Diese Mischung lasse man mindestens 10 Monate kopfüber vor sich hingären, rüttle es nur täglich einmal leicht wach, auf dass es nicht einschlafe.

Nach dieser ausgedehnten Ruhezeit entferne man die Hefe, welche sich bereitwillig hinter dem Verschluss gesammelt hat, zuckere die bereits kohlensäurehaltige Flüssigkeit je nach Geschmack (von lieblich bis pas dosé, also ganz ohne Zucker), und fertig ist unser hausgemachter Sekt (bitte zu Hause nicht nachmachen, liebe Kinder).

Achtung! Wissen zum gekonnten Angeben bei Tisch: Prosecco ist KEIN Sekt, sondern ein mit Kohlensäure versetzter Stillwein.
Aber der kommt ja zum Glück auch nicht aus Südtirol.


Dienstag, 22. Mai 2012

Merlot Staves von Kornell

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Merlot – ein dunkelrotes Tuch für mich. Ihr kennt vielleicht den Spruch: Anything but . . . Heißt bei mir in der Weißweinversion Chardonnay. Selbigen bekommt man häufig im Barrique gereift und viiiiel zu jung. Schmeckt nach Vanillepopcorn. 

Meine Rotweinversion hieß: Anything but Merlot. Auch hier gehe ich von der viel zu jung getrunkenen Masse aus, welche sich durch holzige und vegetable Noten auszeichnet. Die haben wieder zu viel Weinlaub mitvergoren, denke ich dann.

Doch habe ich in einer meiner Lieblingsenotheken, im Schondorf in Bruneck (Christopher berichtete), einen Merlot gefunden, der nicht zu einer scheinbaren Reife gezwungen wurde, sondern in Ruhe fertig werden durfte. Der Merlot Staves der Kellerei Kornell in Siebeneich.

Er sieht aus wie Merlot, nämlich dunkel Rubinrot, klar, doch kaum transparent. Zeitung lesen wäre durch ihn hindurch nicht möglich.

Doch meine Nase war angenehm überrascht. Normalerweise stellt sich auch bei Merlot das Waldgefühl (wie bei dem Spanier beschrieben) ein. Doch lag hier der Schwerpunkt auf der Frucht – Zwetschge und Himbeere, Kirsche und Blaubeere fand ich –, welche von einer wunderbaren Würze getragen wird.
Ein bisserl tierisch war er auch. Doch war es nicht das übliche Reh, sondern mehr echtes Leder. 

Im Mund präsentierte der Merlot sich von einer vollmundig-runden Seite mit knackigen Taninen und Mineralität, doch fehlten die nervigen Stängel und Blätter ganz.

Insgesamt musste ich nun also nach Genuss dieses feinen Roten mein Vorurteil gegenüber Merlotweinen überdenken.
Vielleicht versuche ich es doch auch einmal wieder mit Chardonnay.

Mittwoch, 16. Mai 2012

Wie süüüüüüß!!!

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Wenn ich so darüber nachdenke, was ich als Weinliebhaberin und Biertrinkerin der Kirche mal mehr mal weniger direkt zu verdanken habe – ich denke da an Klöster, deren Mönche die Brau- und Kellerkunst pflegten und verbesserten – wundere ich mich darüber, dass ich immer noch bekenntnislos durchs Leben streife.
Ich bin wohl nicht bereit, mir vorschreiben zu lassen, welcher Art Wesen ich für die Existenz zum Beispiel dieses Vin Santos danken soll.

Il Santo von Vicchiomaggio ist ein feiner Likörwein.
Ganz vin-santo-artig kommt er in einem klaren Bernsteingelb daher. Doch wer da denkt, er fände nun im Glase eine pappig-süße, zähflüssige Substanz, der irrt.
Dieser „Heilige“ liegt locker leicht im Glas.

Der Duft lässt sich wie im Lehrbuch beschreiben: zunächst kommen viele Trockenobstaromen zu Tage, unterstützt von kandierten Früchten und natürlich gebrannten Nüssen, fein abgestimmt mit einer kleinen Vanillenote, hmmm!

Im Mund ist er, wie im Glas bereits vermutet, nicht sehr voll, eher in Richtung lieblicher Tafelwein. Nichtsdestotrotz ist er wunderbar ausgeglichen und keinesfalls langweilig, da genügend Säure und Mineralität den Restzucker bändigen.

Auch im Abgang kann der Süße punkten. Man meint ihn noch nach einigen Minuten nachzuschmecken.

Für unsere Cantuccini ist er ein geeigneter Badezusatz.
Doch Achtung: der gute Tropfen hat 15,5 Vol.-% und liegt somit nur knapp unter echten Likören und schwer im Magen.

Dienstag, 8. Mai 2012

Ein Grillfest mit Rose de Manincore

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Wenn wir grillen, ist meist mäßig schönes Wetter. Wie auch heute eine nicht sehr dicke Wolkenschicht die Sonne verschleiert. Der Balkon ist frisch geputzt und aufgeräumt. Die Kinder sind bis zum Grillen in Schule und Kindergarten unterwegs, während die Eltern in aller Ruhe alles vorbereiten und den Wein verkosten können, welcher nachher getrunken werden soll.

Es handelt sich (natürlich) um einen Rosé - und ist (natürlich) von Manincor.
La Rose de Manincor zielt vom Namen wie vom Erscheinungsbild her wohl eher auf die Damenwelt ab. Er kommt recht romantisch daher.

Seine helle Roséfarbe brilliert mit seinen orangen Reflexen schon aus der Flasche heraus.

Sein Rosenduft ist tatsächlich das Erste, was ich erschnüffele. Dicht gefolgt von marmeladigen Erdbeer-, Himbeer- und leichten Cassisnoten.
Demgegenüber stehen die frischen und ein wenig herben Citrusschalenaromen.

Im Mund ist er voll und weich. Ein schönes Spiel aus leichter Restsüße und angenehmer Herbheit macht diesen Wein für mich so bemerkenswert.

Und genau dies ist es auch, was ihn als Grillwein prädestiniert. Er wird unserem feurigen Grillgut die Stirn bieten.